18 THOMAS REHBEIN GALERIE

AKTUELL

Gerd Bonfert: F24-2, 1995, Silbergelatinedruck, 135 x 102 cm

Gerd Bonfert: H74-1, 2012, Silbergelatinedruck, 126 x 94 cm

 

Gerd Bonfert: H79 Triptychon, 2012, Silbergelatinedruck, 125 x 282 cm

 

Gerd Bonfert: K26-3, 2016, Silbergelatinedruck, 104 x 132 cm

 

Gerd Bonfert: K31-16, 2016, Silbergelatinedruck, 108 x 133 cm

 

Gerd Bonfert: K58-1, 2018, 134 x 101 cm

 

Gerd Bonfert: K72-4, 2019, 133 x 100 cm

 

Gerd Bonfert: K80-9, 2019, 40 x 59 cm

 

Gerd Bonfert: K80-12, 2019, 40 x 59 cm

 

 

AKTUELL

Gerd Bonfert

Vernissage: Softopening 20. Mai 2021 11–20h u.n.V.

Ausstellung: 20.5.2021 – 26.6.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

 

Gerd Bonfert

Es sind geplante, kontrollierte Bilder, Imaginationen, die Gerd Bonfert im Atelier mit einem seit Jahrzehnten wenig veränderten Vorrat alltäglicher Requisiten in traditioneller, also konsequent analoger Photographie* realisiert. Weder bei der durchwegs schwarzweißen Aufnahme noch im weiteren Prozess der Bildwerdung – Bonfert stellt alle Abzüge in der eigenen Dunkelkammer in traditioneller Manier selbst her - kommen digitale Verfahren zur Anwendung. Was als photographisches Bild zu sehen ist, verdankt sich allein dem Zusammenspiel zwischen Zeit, Licht, dem Raum und den Objekten vor der Kamera. Bei der Umsetzung seiner introspektiven Bildvorstellungen in die sichtbare, physische Bildtatsache der Photographie ist der Künstler sein eigenes Modell. Er ist Subjekt und zugleich Objekt eines Prozesses, der während der alles entscheidenden Phase der Belichtung, der eigentlichen Bildwerdung, für ihn selbst unsichtbar ist, allein als Imagination existiert und erst im nachhinein als nunmehr sichtbare Umsetzung dieser Vorstellung (mit allen Zufällen und Unwägbarkeiten) akzeptiert oder verworfen werden kann. Es sind Erfindungen, Entdeckungen des Körpers, der Figur (nicht der Person, des Individuums), die so nur in der Realität des Bildes zu haben sind, im Medium der Photographie verwirklicht werden können. Es sind Bilder eines unwirklichen, befremdlichen Seins zwischen An- und Abwesenheit, Übergangsstudien und Auflösungserscheinungen, furiose Verwandlungen zwischen Erscheinen und Verschwinden, Fleischwerdung und Entkörperlichung. Meist sind sie in Haltungen der Ruhe zu sehen, gelassen und nachdenklich, Sitzmöbel rahmen und bestätigen ihr merkwürdiges Dasein, fungieren als Stellvertreter. Dynamischer, eher von Verwandlungshandlungen geprägt sind die älteren Aufnahmen, die Körper transformiert in jähe Lichtereignisse, agieren inmitten statisch-zeitloser Interieurs. Von Melancholie sind alle Arbeiten grundiert, einer steten, unabschließbaren Suche, deren Zentrum dunkel bleibt und zugleich diese vermeintlich aus der Zeit gefallenen Bilder einer beharrlichen Beschäftigung mit auch weiterhin essentiellen Themen (Sein, Zeit, Wirklichkeit) ans Licht bringt. Die stets unbetitelten Arbeiten Gerd Bonferts entstanden lange Zeit vor allem als Innenbilder, Innenraumbilder. Einige jüngere Arbeiten suchen den Übergang. Fenster als Grenze und Durchlass zwischen Innen und Außen, zwischen Interieur und Natur sind ein Motiv, Berge trockenen Herbstlaubs auf Tisch und Stühlen ein anderes, das neue, weitere Bereiche öffnet. Diesen Aufnahmen ging eine lose Reihe von Landschaftsphotographien voraus, zunächst mit archaischen Lochkameras eingefangene Bilder, seit einigen Jahren entstehen sie auch mit konventionellen Kleinbildgeräten. Vor allem das Innere eines wilden Waldes ist zu einem immer wieder aufgesuchten Motiv geworden. Die Taten des Lichts, sein Fließen und Gleißen auf Blättern, Gräsern und Ästen, ihre Auflösung in flirrender Helligkeit und dichter Dunkelheit, die Verwandlungen des Dickichts in facettenreiche, kaum durchschaubare Lichtspielräume zeigen eine andere, durch die Offenheit für den Augenblick und die Gegebenheiten des Ortes ermöglichte Form der Bildfindung. Mit den Mitteln analoger Photographie zeitigen Gerd Bonferts Aufnahmen feinste Gradationen leiblichphysischer Präsenz, sie zeigen Fragilität und Flüchtigkeit, die Fragwürdigkeit des Sichtbaren. Dies alles wird durch das beglaubigende Aufzeichnungsmedium der Photographie zu merkwürdig realen Ereignissen, die im Bild festgehalten, aufgehoben sind.

Jens Peter Koerver, 2020
*Die ältere, von Gerd Bonfert bevorzugte Schreibweise „Photographie“ verweist auf die Herkunft des Wortes aus dem Altgriechischen, einer Zusammensetzung aus „Licht“ und „schreiben“.

Vernissage: Softopening 20. Mai 2021 11–20h u.n.V.

Ausstellung: 20.5.2021 – 26.6.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

ARCHIV

Ausstellungsansicht

Peter Tollens: Lichtblaulasur, 2020
Dammar-Wachs-Öl-Lasur / dammar-wax-oil-lasure
100 x 70 cm

ARCHIV

überwiegend Blau, aber auch Grau, Rot, Weiß und Grün

Peter Tollens

Vernissage: Softopening 9. April 2021 u.n.V.

Ausstellung: 10.4.2021 – 15.5.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

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überwiegend Blau, aber auch Grau, Rot, Weiß und Grün

Der bekannte Physiker, der sich mit der Journalistin in der Bar des Hotel Adlon in Berlin getroffen hatte, um ihr eine spannende wissenschaftliche Entdeckung näherzubringen, berichtete, sichtlich um Ruhe bemüht, er und seine Kollegen könnten beweisen, dass sich die Natur allein durch intensive Beobachtung in ihrem natürlichen Verhalten beeinflussen lasse und sich schließlich unnatürlich verhalte. Er sprach vom Quanten-Zeno-Effekt.Was habe ich darunter zu verstehen?Wir können durch häufiges Beobachten einen radioaktiven Kern am Zerfall hindern.So wie man einen Selbstmörder, der am Rande eines Hochhauses posiert, durch Auf-ihn-Einsprechen an der Tat hindert? Man darf nicht zu viel und man darf nicht zu wenig reden?Das radioaktive Elementarteilchen, beobachtet, kommt nicht dazu, zu zerfallen.Und?Dasselbe passiert, wenn man einen radioaktiven Kern im Zerfall beschleunigt. Auch das geschieht durch Beobachten. [...] Ist das nicht interessant?“1Die junge Frau stellte sich intime Begegnungen mit anderen vor, übertrug in Gedanken das Gesagte auf solche Szenen und glaubte zu verstehen, wovon die Rede war. Doch was auf dem Feld des körperlichen Begehrens offensichtlich ist dass man sich selbst durch die Beobachtung eines anderen und beim Beobachten des Beobachters möglicherweise nicht mehr natürlich verhält und vielleicht sogar ins Schleudern gerät , gilt ebenso für die Begegnung mit Kunstwerken. Wenn auch hier das Wechselspiel nicht so offensichtlich sein mag, verändern wir uns in der Begegnung mit Werken der Kunst jedenfalls dann, wenn wir ihnen etwas Wesenhaftes zuerkennen und erleben nicht selten, dass da „keine Stelle (ist), die dich nicht sieht“2. Wie ein lebendiges Gegenüber fordert das Werk etwas von uns. Zunächst Aufmerksamkeit und Konzentration. Aufmerksamkeit ist das große Stimulans und steht häufig am Anfang eines fruchtbaren Austauschs. Aufmerksamkeit ist das Gegenteil von stumpfsinnigem, interesselosem Dämmern. Bringt man den Werken Peter Tollens die geforderte Aufmerksamkeit entgegen, fragt man sie, was sie wollen, was sie begehren, dann kann ein Dialog entstehen, in dessen Verlauf sich beide Seiten bereichern und verändern. Anhaltende Aufmerksamkeit ist also ein notwendiger, wechselseitiger, ja geradezu lebenserhaltender Prozess. Fehlt sie jedoch, können Bilder siechen oder gar sterben. Aufmerksamkeit aber vitalisiert, so wie die Beobachtung durch den Physiker und die ihm gewidmete Aufmerksamkeit bewirken, dass der radioaktive Kern nicht zerfällt. Wichtig ist, dass aus dem Blick auf Bilder ein Blickwechsel entsteht. Die Grenzen zwischen Kunstwerk und Leben sind also fließend, auch wenn wir natürlich wissen, dass wir es sind, die den Bildern Leben verleihen, um mit ihnen kommunizieren zu können. Es liegt also an uns und unserer Art der Zuwendung, welche Bedeutung einer Arbeit, die ihrerseits aus einer erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber einer anderen Sache entstanden ist, letztlich zukommt. Arbeit, nicht als notwendiges Übel, sondern positiv gedeutet, ist Aufmerksamkeit und Gestaltungswille. Arbeit erwirkt Zustandsveränderung. Tollens hat sein Leben, seine Arbeit und seine Aufmerksamkeit den Farben und ihrerMaterialität gewidmet. Die hier versammelten, überwiegend blauen Bilder evozieren viel von dem, was diese eigentümliche Farbe auszeichnet. Wie keine andere steht Blau in der Spanne von Schwarz und Weiß. „Die Energie (dieser) Farbe, die dank ihrer Vertiefungsgabe das Nahe auf eine unendliche Ferne hin durchsichtig macht, hat sie zur Farbe der Utopie werden lassen.“3Blau steht für Sehnsucht, Aufschwung und Lauterkeit. Blau hält „einen Horizont offen, auch wenn es nicht mehr Nimbus ist über dem Parnaß. [...] Erst wenn mit Mallarmés Worten das Gehirn in aller Hoffnungslosigkeit so ‚leer‘ geworden wäre, daß es seinen ‚finsteren Frieden‘ im ‚Trübsinn‘ gefunden hätte, wäre auch das Azur erstickt.“4Farbe verleugnet bei Tollens ihre Materialität nicht, ganz im Gegenteil. Die Bilder auf Holz, Leinwand und Schiefer wirken derart haptisch, dass es schwerfällt, die Finger beim Betrachten ruhig zu halten. In die Oberfläche haben sich Spuren und Zeichen der Beziehung zwischen Maler und Farbe eingeschrieben. Diese Oberfläche wirkt undurchlässig und durchlässig, widerstandsfähig und empfindlich. Als Haut ist sie nicht nur Grenzfläche zu den unter ihr liegenden Farbschichten, sondern auch entscheidend für die Entstehung einer Beziehung zum Betrachter. Die Oberfläche ist sowohl schützende Barriere als auch kontrollierende Membrane. Sie weist Öffnungen auf, lebendige, kontrollierende Öffnungen, durch die das Farbwesen ein-und ausatmet. Tollens Bilder wirken nicht zuletzt deshalb lebendig, weil sie aus der Tiefe vitalisiert werden. Farben durchdringen sich bei ihm körperlich, Farben sind Bindegewebe, Farben kommen aus dem Raum zwischen Haut und Knochen. Das mit Ölfarbe auf Schiefer gemalte Bild Kobalt, Ocker, Ultramarin, Orange, Indanthron, Grün(2020) ist ganz in diesem Sinne oberflächlich und tiefgründig zugleich, ganz ineinander verflochtene Farbe. Es ist ein hoffnungsvolles Bild, das stark und selbstsicher wirkt. Ein Bild, mit dem ich gern kooperieren möchte, ein Bild, an dem ich meine Freude habe, mit dem ich gern befreundet wäre. Freundschaft und Liebe aber sind ja auch nichts anderes als „erhöhte Aufmerksamkeit für sich selbst und für jemand anderen, für sich selbst im Medium des anderen, für den anderen im Medium von sich selbst“5.Überwiegend Blau, aber auch Grau, Rot, Weiß und Grün, das könnte auch eine Beschreibung unseres Planeten sein. Dass wir ihn heute so sehen, ist alles andere als selbstverständlich. „Wenn ein Außerirdischer sich um 630 Millionen Jahre v.Chr. der Erde genähert hätte, wäre ihm die Kugel nicht blau, sondern streng weißgrau erschienen, eher zum Schmutz als zur Farbe eines Arztkittels tendierend. Nur wenige Millionen Jahre später, also geologisch ‚bald darauf‘ oder ‚plötzlich‘, bildeten sich hellblaue Zonen, ein Versprechen in Richtung UNSERES BLAUEN PLANETEN. So ist noch viel Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderung verborgen im Blau. [...] Die Chance liegt zum Tiefblauen hin, so wie der Pazifik dem außerirdischen Auge erscheint, wenn er mehrheitlich wolkenlos ist. Dies bedeutet, daß über den Kontinenten die Wolken willkommene Nässe bringen.“6Während Blau das „Zukunftshaltige, Noch-Nicht-Gewordene in der Wirklichkeit“7bezeichnet, ist Rot weniger positiv besetzt. Mit Rot verbindet sich Zerstörung und Aggressivität. Die Fahne der Revolution ist rot. Dass es dazu kam, beruht jedoch eher auf einem historischen Zufall.8Richtig wäre es, sie gegen eineblaue Flagge auszutauschen, und zwar in der „Farbe des Planeten, vom Asteroiden Ceres aus gesehen, ein Marineblau mit ultravioletten Schatten, gespeist mit einem filigranen Weiß, welches das Vorhandensein von Wolken repräsentiert: aus der Ferne ist solches Blau von besonderer Schönheit. Das Auge kann sich nicht satt sehen, weil im Gesichtsfeld kein Blau genau festgelegt ist. Eine milliardenfache Summe von Differenzen“9. Peter Tollens könnte diese Flagge malen.

(Andreas Bee, 2021)

Ausstellung: 10.4.2021 – 15.5.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

ARCHIV

alg, Ausstellungseinladung, Postkarte, 2021

Anna Lena Grau: „Maulwurfszeichnung 2“, 2004, Aquarell, 29,7 x 21 cm

Anna Lena Grau: „Packstück 3“, 2017, Gips, Ton & Silikon, 80 x 40 x 25 cm

 Anna Lena Grau und Julia Frankenberg: „Bugscurtain“, 2017, Aluminiumketten, Größe variabel

Anna Lena Grau: "Shell 2", 2020, Gips & Silikon, 8 x 8 x 10 cm

ARCHIV

Anna Lena Grau

Guest: Julia Frankenberg

Ausstellung: 15.1.2021 – 3.4.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln

Thomas und Sylvia Rehbein | WDR 5 Radiointerview
"Kunstgalerien in der Pandemie", 25.01.2021
www.wdrmedien.net

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vom tastenden Reisen

Salzlecksteine in der Schacheröffnung, Medusenwerk im Laminat und andere Choreographien der Formgebung. Anna Lena Grau, 32, Künstlerin aus Hamburg, zeigt vom 11. Januar bis 23. Februar in der Thomas Rehbein Galerie „Halbzeug“ ein eigensinniges Powerplay. Der Prozess der Materialerkundung, der Formfindung und des Arrangements spielen in der Kunst Anna Lena Graus eine ebenso wichtige Rolle, wie die Sinnigkeit und Schönheit des einzelnen Objekts. In einer traditionellen Glasbläserwerkstatt manierierte Grau traditionelle Weinglasformen in ein Seifenblasenspiel oder in organische Körperlichkeiten, eine Hommage an die Wunderwerke der Glasbläserfamilie Blaschka. Die in- und umeinander gestülpten, mund geblasenen Glaskolben sind zu fragilen, organischen Skulpturen kombiniert. Teils auf barocken Holzkonsolen inszeniert, nehmen sie die Herausforderung an, wie Wunderkammerstücke den Raum zwischen Kunst und Naturwissenschaften zu öffnen. An geröntgte Matruschken oder ein aus der Kontrolle geratenes Möbiusband erinnern die Glasobjekte. Auch in dem neuen Werkzyklus „Medusa“ macht sich das Naturwunder Qualle mit ihrem schleierartigen „Nichtkörper“ als Muse ganz wunderbar. Filigrane Farbformationen schweben in einer Reihe von Objektbildern an der Wand. Farbenfroh und von unerklärlicher Eleganz sind die in Laminat erstarrten Plastiktüten in konstruktivistische Abstraktionen transformiert. Die bunten Enkel des Grossen Duchampschen Glases strahlen gelassen von der Wand, als unprätentiöser, abstrakter Pop dürfen sie Augenschmaus sein. Plastiktüten, Salzlecksteine, Pflanzenzweige. Manchmal scheint ein einfacher Griff zu reichen, ein Schattenwurf oder eine neue Konstellation, um das Eigentümliche der Formen und Farben freizusetzen. Von Kuhzungen geleckte Salzsteine, Mineralquader zur Nahrungsergänzung von Weidetieren, liegen in der Schacheröffnung „Die moderne Variante“ auf dem schwarz-weißen Spielfeld. Milchig zart bis grobkörnig fleckend verändern sich die Oberflächen der abstrakten Skulpturen, wenn die Mineralien im chemischen Prozess nach außen gedrängt werden. Die Gruppe dieser „natürlichen“ Objekte eröffnet ein neues Spiel der Variationen. Regelhafte Spielzüge sind hier allerdings unterminiert. Zu gern möchte man die weiße Dame ausfindig machen, nur, eine Skulptur hat kein Rollenmuster, -oder? „Halbzeug“ ist der Titel der Ausstellung, ein Begriff aus der Rohstoffindustrie. Er bezeichnet traditionell die Familie von normierten, industriell vorproduzierten Bauteilen, die für eine Verarbeitung zum Endzweck bereitgestellt werden. Klassiker wäre hier das Auto oder ein Kühlschrank. Eine der ältesten solcher Funktionsformen wird „Uluburun“ herausgegriffen. Statt des wertvollen Handelsrohstoffes Kupfer, hat die Künstlerin allerdings unzählige, bunte und vielförmige Plastikreste in die attraktive Zwischenform der sogenannten Ochsenhautbarren gegossen. Zur Weiterverarbeitung freigegeben steht auf dem Kaufzertifikat der Grauschen Barren. Die Freigabe der künstlerischen Form ist eine kritische wie spielerische und gibt den Ball an alle - allen voraus allerdings dem Käufer von Kunst – weiter. Aber Vorsicht, es braucht ein feines Gespür lebendige Formen zu schaffen. (Franziska Glozer, Dezember 2012)

 

Ausstellung: 15.1.2021 – 3.4.2021

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h