16 THOMAS REHBEIN GALERIE

AKTUELL

Joëlle Dubois: Death For Breakfast, 2022 
Acryl auf Holz / Acrylic on wood 
60 x 50 cm

Joëlle Dubois: Bed Habits (Hommage Annette Lemieux & Philip Guston), 2022 
Acryl auf Holz / Acrylic on wood 
80 x 100 cm

Joëlle Dubois: Sherry Sunset, 2022 
Acryl auf Holz / Acrylic on wood 
24 x 18 cm

Joëlle Dubois: Memrobilia (linke Seite / left side), 2022 
Acryl auf Holz / Acrylic on wood 
60 x 50 cm

 

 

AKTUELL

FORGET ME NOT 

Joëlle Dubois

Vernissage: 10.6.2022, 16 – 21h

Ausstellung: 10.6. – 6.8.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

FORGET ME NOT

Die Thomas Rehbein Galerie präsentiert unter dem Titel FORGET ME NOT, die zweite Einzelausstellung mit der belgischen Künstlerin Joëlle Dubois (*1990, Gent).

Das Vergessen und das Vergessenwerden stellt für den Menschen eine der größten Ängste dar, gerade im Angesicht tiefer Verbundenheit zu einer anderen Person. Denn was bleibt von uns übrig, wenn die Erinnerung verrinnt? Was sind wir dann und was waren wir vorher?
FORGET ME NOT ist ein Imperativ, eine Bitte und ein persönlicher Wunsch – die Erinnerung daran, nicht zu vergessen. Und nicht vergessen zu werden.

„Vergiss mich nicht“ bedeutet unweigerlich Abschied und das Bewusstsein darüber, dass sich die Lebenswege auf physische oder emotionale Weise voneinander entfernen. Das Symbol, die Blume „Vergissmeinnicht“, trägt die Metaphorik von Verlust und Schmerz, gleichermaßen jedoch, tiefgehender Emotion und Verbindung.

Erinnern bedeutet auch immer vergessen. Die Dichotomie dieser Realität und der Prozess, welcher der Akzeptanz dieser vorausgeht, verkörpern die neuen Gemälde Joëlle Dubois‘, die der Mutter, der Krankheit und der Auseinandersetzung mit dieser gewidmet sind.

 

Vernissage: 10.6.2022, 16 – 21h

Ausstellung: 10.6. – 6.8.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

ARCHIV

Stephan Melzl: Hommage an die Toteninsel, 2022
Öl auf Holz / Oil on wood
80 x 65 cm

ARCHIV

Stephan Melzl

Vernissage: 22.4.2022, 18 – 21h

Ausstellung: 22.4. – 4.6.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

Am Anfang war das Wort

Die Thomas Rehbein Galerie freut sich, die neunte Einzelausstellung mit Stephan Melzl anzukündigen, in der zwischen 2020 und 2022 entstandene Werke zu sehen sind. Auch diesmal offenbart sich durch die sparsame Präsentation das beeindruckende Spektrum formaler und inhaltlicher Spielarten des 1959 in Basel (CH) geborenen Künstlers, dessen scharfsinnige und von subtilem Witz bestimmte Beobachtungen auf die Bedingungen der Bildproduktion und -rezeption gerichtet sind. Jedes einzelne, in einer aufwändigen malerischen Technik entstandene Werk besticht als perfekt ausgeführte Fassade, deren makellose Wirkung jedoch jenseits verführerischer Oberflächeneffekte eine vielschichtige Dimension bildanalytischer Reflektion offenlegt. Zunächst mögen der zarte Schmelz pudrig pastelliger Tonwerte und die intensive Leuchtkraft der in zahlreichen Schichten lasierend aufgetragenen Farbe die symbolhaft verdichteten Bildinhalte wie ein Schleier verhüllen. Und doch ist es gerade die pulsierende Ausstrahlung dieser feinen koloristischen Valeurs, die das Augenmerk auf die bildinterne Auseinandersetzung zwischen den Realitätsebenen, auf die spannungsvolle Verschiebung zwischen Sein und Schein richtet. Denn Melzls Werke sind trotz all ihrer lichten Schönheit und ihres hohen ästhetischen Anspruchs brüchig. Im Kern „Bilder von Bildern“ und damit „Bilder über Bilder“, erweisen sich seine pointiert angelegten Kompositionen als tiefgründige Inszenierungen von Ausdrucks- bzw. Bildformen einer visuellen Kultur, die sich zwischen dem klassischen kunsthistorischen Kanon und digitalen Bildformaten bewegt. Daher tritt in seinen Werken häufig das Bild in verschiedenen Varianten als zentrales Sujet auf, mal in direkter, mal in indirekter Anspielung auf bekannte, erkennbare VorBilder. Neben Zitaten einschlägiger Ikonen der Kunstgeschichte, greift er auf visuelle Manifestationen aus alltäglichen Kontexten zurück, wie Werbeanzeigen, Plakate, Emojis, Bildschirmdarstellungen. Während Tutorial das Format von YouTube-Videos – inklusive Play-Taste – direkt übernimmt, erweist sich die Hommage an die Toteninsel als abstrahierte und in eine großstädtische Szenerie versetzte Variante des gleichnamigen Gemäldes von Arnold Böcklin. Die horizontalen und vertikalen Strukturen des Originals werden abgewandelt, anstelle des flachen vorgelagerten Gewässers und der steil aufragenden Felsformation, die einen Pinienhain umschließt, treten ein hell erleuchtetes Schwimmbecken und sich kulissenhaft in den Nachthimmel erhebende Hochhäuser auf, deren Konturen sich stellenweise in einzelne rechteckige Felder, Spiegelungen auflösen und vor denen ein einzelner, sehr schlanker Baum mit kugeliger Krone das Rund des Vollmondes spiegelt. Während in Böcklins schwermütigem Szenario ein einsamer Kahn mit einer aufrechtstehenden schneeweiß verhüllten Gestalt auf die Insel zusteuert, steht in Melzls Hommage eine knabenhafte Rückenfigur mit roter Badehose und Schwimmbrille am Fuße des Beckenrandes. Auch in Der Schrei Reloaded nimmt Melzl die zeitgenössische Interpretation eines Bildklassikers vor und kommentiert seine Banalisierung im digitalen Zeitalter. Auf ein überdimensioniertes Smartphone-Format übertragen, besetzt das berühmte Gemälde von Edvard Munch die prominente Stelle über dem Kamin – Projektionsfläche bürgerlicher Ideale, zu denen die Zurschaustellung von Kunst zählt. Allerdings erscheint das Motiv stark reduziert und beinahe zum Piktogramm verkommen, seine konkret materielle Existenz bleibt unbestimmt: Fernsehbild, ephemere Spiegelung oder gar klassische Ölmalerei? Mitunter können die charakteristischen Merkmale – die krampfhaft gegen den Kopf gepressten Hände und der angstvoll aufgerissenen Mund – als bloßer Licht und Schatteneffekt, als optische Erscheinung gesehen werden. Die Frage nach dem Verfremdungs- und (Vor-)Täuschungscharakter von Bildern wird bei Melzl zum vordringlichen, stets ironisch gebrochenen Thema. Durch die Überlagerung malerischer Schichten und die Verschränkung von flächigen und räumlichillusionistisch ausgearbeiteten Bildpartien vollzieht Melzl Sprünge zwischen den Bildebenen und Realitäten. In Beauty Resort trifft die Pose eines Models auf einer Plakat-Hauswand auf den Kontrapost einer antiken Statue. Die Realität eines Plakats, welches ein Schönheitsideal vermittelt, trifft auf die Realität von zwei weiblichen Figuren mit kindlichen Gesichtszügen, die sich in parallel angeordneten Badewannen der Vision eines optimierten Selbstbildes hingeben. Besonders geschmeidig vollzieht sich die Umdeutung eines Bildtopos, im Portrait des Christophorus. Die traditionellen Bildrequisiten und Attribute fügen sich hier zu einer einfachen, in ihrer bestechenden Klarheit komischen Formel. So trägt die sich lässig auf einer Brüstung abstützende, dem Betrachter frontal zugewandte bärtige Gestalt des Heiligen den Körper des – in der Legende – geschulterten und schwerwiegenden Jesuskindes als lose baumelnde Gliederpuppe auf seinem T-Shirt. Ein Kinderkopf erscheint versetzt hinter seiner rechten Schulter und eine kleine Hand umfasst seine linke Schulter. Hier verschmelzen zwei Bildrealitäten: Zum einen die Realität des mit einem kurzärmligen Hemd bekleideten Mannes, des Protagonisten in Melzls Bild, der auf dem Rücken ein Kind trägt. Zum anderen die Realität des Bildes auf der Brust, also des Stoffaufdrucks, welches sich aber – vor dem Hintergrund der Erzählung –in narrativer Schlüssigkeit mit dem Kinderkopf verbindet und diesem zugehörig erscheint. Zugleich setzt der Rumpf am Halsausschnitt des Shirts an, so dass ebenfalls der herausragende Kopf des Mannes an die Leerstelle tritt und das Körper -„Bild“ auf dem Shirt ergänzt. In solchen spielerischen Verwandlungsmomenten fließen Trug- und Traumbilder ineinander. Innere und äußere Bilder kommen gleichberechtigt zum Vorschein und vermischen sich in sanften Übergängen zwischen den Ebenen des Bildraumes – und im erweiterten Sinne, des Bewusstseins. Mit den einsetzenden Verschiebungen der Wahrnehmung bleibt die Frage nach der bildeigenen Wirklichkeit unbeantwortet. (Bettina Hais, 2022)

Ausstellung: 22.4. – 4.6.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

ARCHIV

Ulrich Pester: Ohne Titel (Scooter), 2022 Öl & Acryl auf Leinwand / Oil & Acrylic on canvas 110 x 80 cm

Ulrich Pester: Ohne Titel (Heizen), 2022 Öl & Acryl auf Leinwand / Oil & Acrylic on Canvas 105 x 75 cm

ARCHIV

heizen

Ulrich Pester

Vernissage: 4.3.2022, 18 – 21h

Ausstellung: 4.3. – 16.4.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

heizen

Die Thomas Rehbein Galerie freut sich mit der Ausstellung „heizen“ die 6. Einzelausstellung mit dem Maler Ulrich Pester anzukündigen.

Ulrich Pesters Malereien entwickeln sich nicht etwa aus einer vorgegebenen Intention des Künstlers heraus, sondern prozesshaft aus sich selbst.
Die Bilder verstehen sich als Reaktion auf eine Idee, die Pesters Wahrnehmung zufällig kreuzt. Nebensächlichkeiten aus seiner direkten Umgebung, wie beispielsweise Küchenutensilien, Muster von Hemden aus dem Kleiderschrank, aber auch Beobachtungen auf der Straße, in Filmen oder YouTube-Videos, werden zu Signifikaten mit zeichenhafter Bedeutung. Durch das Ausschneiden eines scheinbar unwesentlichen Gegenstandes oder einer situativen Beobachtung, tritt dessen Form oder die Momentaufnahme in den Fokus.

Stellvertretend für das Sezieren von Gegenständen aus ihrem Kontext tritt zum Beispiel das Sujet der Schere. Stilisiert und entfremdet in dunklem Blau ist der Gebrauchsgegenstand im Werk „Ohne Titel (Schere)“ (2020) auf seine Form reduziert und doch subtil als eine Art Portrait personifiziert. Die sie in abstrakter Manier umgebende Farbe auf mattweiß-gräulichem Hintergrund erhebt sie wie ein Körper aus der Leinwand. Durch den breiten und gleichzeitig klar definierten Pinselduktus wird der filigranen Figur ein Grund gegeben, aus dem sie sich herauszubewegen scheint. Auf einem einzelnen Pinselstrich am unteren Bildrand, einem Podest ähnlich, scheint der Stiefel fest geerdet zu sein, den die Schere an einer ihrer Klingen trägt.

Durch die Personifizierung des Gebrauchsgegenstands beginnt das Sujet ein Eigenleben zu führen und erhebt sich nicht nur über ihre eigentliche Nutzung in der Realität hinaus, sondern auch über ihr Medium.

Die Bildkomposition entsteht durch eine Neukontextualisierung, die Pester nicht sucht, sondern findet, während er malt. Aus einer zeichnerisch anmutenden Technik heraus entwickeln sich die Bilder sukkulent, einer Plastik gleich, indem er Schicht um Schicht und Strich um Strich auf der Leinwand addiert, nie aber radiert oder subtrahiert.

„Ich gebe mich dem Prozess hin und lasse mir von ihm diktieren, was als nächstes passiert. Es ist wie einen Plan zu erfüllen, ohne einen Plan zu haben.“ (Ulrich Pester)
Durch die Überlappung von Schichten, wird auf der gegebenen Bildfläche eine Erweiterung von Dimensionalität suggeriert und die Materialität auf einer weiteren Ebene entpuppt und neu verhandelt.

Besonderen Wert legt er auf die Visualisierung jener Prozesshaftigkeit. Er skizziert eine Beobachtung notizartig, überträgt diese als Grundstruktur auf die Leinwand, malt und übermalt und lässt dabei die einzelnen Schichten von Farbe ineinander übergehen, sich ergänzen, ersetzen oder verdecken. Er versucht dabei jedoch nicht zu verstecken, sondern zu entblößen. Stück um Stück schält sich das Thema aus seinem Medium heraus.

Durch transparente oder halbtransparente Farben werden die Übermalungen nachvollziehbar und das Betrachten der Werke von Ulrich Pester wird zu einer Spurensuche von Zeitlichkeit im malerischen Akt.

In dem auf einen Bildausschnitt reduzierten Einfangen des scheinbar unterkühlten Körpers in dem Bild „Ohne Titel (Heizen)“ (2022), visualisiert Pester ein ausgestrecktes Bein, das an einem Heizkörper in einer Wohnsituation befindlich aufgewärmt wird. Der Rest des sitzenden menschlichen Körpers ist nicht dargestellt und die Szenerie somit nicht auf ein determiniertes Individuum festgelegt.

Scheinbar bruchhaft und doch stellvertretend für eine ganze Geschichte überträgt das Dargestellte ein Gefühl für den Moment, nebensächlich und doch äußerst intim, die Grenze zwischen Malerei und grafischer Bilderzählung überschreitend, sodass Entfremdung und Identifikation auf einer Leinwand koexistieren. Durch die Allgemeingültigkeit und den Blick für das Detail in diesem eingefangenen Augenblick, erklärt sich schlussendlich der Kontext durch den Ausschnitt.

Eine Interaktion zwischen Körpern und Dingen, kommt auch in der Arbeit „Ohne Titel (Scooter)“ (2022) zum Ausdruck. Durch den dunkelblauen breiten und kantigen Pinselduktus, der die zu zweit auf dem E-Scooter Fahrenden umgibt, wirkt die Szenerie grafisch. Klare Proportionen in der Komposition sowie der Partnerlook, der beiden bis zur Brust dargestellten anonymisierten Personen geben dem Bild eine nahezu ironische Note. Der Wiedererkennungswert dieses subtilen Moments und auf der anderen Seite die Anonymisierung der beiden Personen sowie dem E-Scooter als Sinnbild der Mobilität unserer heutigen Stadtgesellschaft, verkörpern auch in diesem Werk Nähe und Distanz in symbiotischer Verschmelzung.

Dass eine Arbeit beendet ist, bemerkt Ulrich Pester, indem er einen Moment der Klarheit empfindet. Nachdem er sich einem sensorisch intuitiven Zustand hingegeben hat, sieht er dann etwas, das einer intellektuellen Erkenntnis gleicht:
„Etwas das plötzlich da ist und eine Art Berechtigung für mich hat. Etwas Eigenes, manchmal Fremdes, losgelöst von der ursprünglichen Idee.“

Im besten Falle, so Pester, erzählen ihm seine Werke etwas, dass er selbst vorher nie gedacht habe.

Elisa Mosch, 2022

Vernissage: 4.3.2022, 18 – 21h

Ausstellung: 4.3. – 16.4.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

 

ARCHIV

Anya Janssen: Little Sister 1, 2021, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

Anya Janssen: Is the Real II,  2019, Öl auf Leinwand, 180 x 100 cm

Anya Janssen: Little Sister 2, 2021, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

ARCHIV

Cloud-Dwellers

Anya Janssen

Vernissage: 21.1.2022, 18 – 21h

Ausstellung: 21.1.20 – 26.2.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

Am Anfang war das Wort

Cloud-Dwellers

Die Thomas Rehbein Galerie präsentiert die erste Einzelausstellung der niederländischen Künstlerin Anya Janssen. In der Ausstellung sind unter anderem Zeichnungen und Malereien aus den Serien „Cloud-Dwellers“ und „People Say I’m Different“ zu sehen.

“I’m a storyteller, a collector of souls and perhaps even a stalker. My projects start with a longterm and intimate relationship with my subject. I always work in series, two to five years on one project. [...] I’m really fascinated by human beings: their emotions, thinking, behavior... I want to get under their skin. The people I paint always seem to be in transition or standing at a crossroad. It’s really mysterious, but I’m always led to an encounter ‘meant to be’.”

– Anya Janssen

Anya Janssens Portraits scheinen wie Vermittler aus einer anderen Sphäre. Begleitet von Auren, die aus Farbspektren entstehen, umgibt die Protagonist*innen ein Schleier des Geheimnisses, welches die Malerin entdeckt, jedoch nicht aufdeckt. Die Gemälde und Zeichnungen geben Hinweise auf das, was intellektuell nicht erkennbar, jedoch spürbar ist. Wenn sie malt, verpflichtet sich Janssen ganz ihrem Gegenüber, es wird ein Teil ihrer Selbst. Die Gemälde sind Seelenstudien und Psychogramme, die durch das virtuose Kolorit in stetiger Bewegung und Metamorphose zu sein scheinen. Der raue Realismus der Charaktere gegen und mit der surrealen Sinnlichkeit in ihrer Erscheinung schafft eine Diskrepanz, durch die sich schlussendlich die Geschichte aus den Bildern heraus entwickelt.

„We were born in your world, but you will die in ours”, ist eines der Graffiti-Zitate aus Janssens Sammlung (gefunden auf einer Mauer in Berlin), das die Künstlerin zur Serie „Cloud-Dwellers“ inspirierte. Wie aus den Wolken gefallene Wesen, stehen für Anya Janssen ihre Portraitierten für eine hoffnungsvolle Zukunft – für eine Zuversicht, die gefunden werden kann im vorübergehenden und unsicheren Charakter unserer aller Existenz. Dargestellt in teils dystopischen Szenarien haben sie keine Angst vor zersplitterten Weltbildern und gegensätzlichen Meinungen. Sie posieren kühn und mit bescheidener Tapferkeit, ein unnatürliches Licht fällt auf ihre jungen Körper. Träumerisch und irreal anmutend, stark und zerbrechlich zugleich, tragen sie eine subtile, weiche Art von Kraft in sich, mit der sie es zu vermögen scheinen, die Welt um sich herum zu verändern.

Elisa Mosch, Anya Janssen, 2022

Vernissage: 21.1.2022, 18 – 21h

Ausstellung: 21.1. – 26.2.2022

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h