Was ist Realität – was ist Vorstellung? Die Frage ist nicht neu, gewinnt aber mit der fortschreitenden Entwicklung „virtueller Realitäten“ zunehmend an Bedeutung. Was gestern noch als gesichert galt, gilt heute vielleicht schon nicht mehr. Macht die Realität Sprünge? Oder hat die Realität eventuell selbst Sprünge?

 

Mit diesem Thema beschäftigt sich Manfred Gipper in seinen neuen Arbeiten, die wir vom 4. September bis 7. November präsentieren. Es ist die vierte Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Pamme-Vogelsang.

 

Wir zeigen Gemälde, Collagen und Objekte in denen der Künstler uns fortlaufend mit der Frage konfrontiert: „Was sehe ich? Sehe ich im Bild etwas Reales? Oder ist, was ich sehe, nur eine „Illusion“, die ich mir als Betrachter als Realität imaginiere / interpretiere?

 

In seiner Malerei setzt Gipper realistisch angelegte Motive in expressive Farben und Farbfelder, sodass ein spannungsreicher Dialog zwischen der konkreten Form der Objekte und den abstrakten Farbflächen entsteht. Gegenüber früheren Arbeiten sind die neuen Leinwandbilder von Gipper in ihrer gesamten motivischen Anlage, Farbgebung und Ausdrucksgebärde kühner und expressiver geworden.

 

In einigen seiner malerisch angelegten, vermeintlich menschenleeren Architekturen atmet wieder Leben. Die >Bewohner< scheinen zurückgekehrt um sich den Widerständen und Verwerfungen in Stadt und Gesellschaft zu stellen. Darauf verweisen auch schon die Bildtiteln wie „Stimmung!“, „Risse“ oder „Tendenzen“. Die Objekte hingegen, Häuser, wie z.B. in der Arbeit „Pontormo_C_02“ wirken dagegen wie Relikte einer vergangenen Welt.

 

Die Ausstellung „Realitätssprünge“ zeigt die Auseinandersetzung des Künstlers mit den Ambivalenzen zwischen Vergangenheit / Gegenwart und den Optionen für unsere Zukunft. Wie wird die Stadt künftig aussehen, welche Aufgabe fällt den überkommenen Architekturen in den Lebensräumen des Anthropozän zu? Der Mensch hat „seinen“ Erdplaneten verändert. Mit welchen Strategien und (Kultur)Techniken wird er im neuen Erdzeitalter (über)leben?

 

Diese und darüber hinausführende Fragen kommen bei der Betrachtung der Arbeiten von Manfred Gipper ins Bewusstsein, und mit ihnen begibt sich der Betrachter dann unvermittelt in das innerbildliche und außerbildliche Zeitgeschehen.

 

Im Künstlergespräch mit Manfred Gipper und Dagmar Schmidt (Kunstmuseum Ahlen) wollen wir die Intentionen und „Realitätssprünge“ des Künstlers näher ergründen und disputieren. Das Künstlergespräch erfolgt im Rahmen der Finissage am 7. November 2020 um 13 Uhr.

 

Manfred Gipper studierte an der Kunstakademie Münster und war Meisterschüler bei Prof. Hermann-Josef Kuhna. 2005 erhielt er ein Stipendium der Cranach-Stiftung, Wittenberg. Weitere Stipendien und geförderte Arbeitsaufenthalte folgten u.a. in Basel, Frankfurt/Oder, Klaipeda (LIT) und Tallinn (EST). Seit 1985 lebt und arbeitet der Künstler in Berlin. Er ist mit seinen Bildern in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen und Sammlungen vertreten.

 

Abb., sämtlich Manfred Gipper,  © Manfred Gipper/VG Bild-Kunst, Bonn, 2020, (vonu): Fragmente_01, 2019; Pontormo_02_C, 2020; Barriere_G01, 2018; Risse_02, 2020; Violett, 2018/2019